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Nicht jeder Preisanstieg ist Inflation

Immer wieder wird Inflation genannt, was keine ist – Markt- und inflationsbedingter Preisanstieg sind auseinander zu halten – Märkte, auf denen die Preise inflationsbedingt schon gestiegen sind

Preissteigerungen sind nicht immer mit Inflation gleichzusetzen. Die Bezeichnung Inflation für Verteuerungen wird meist synonym, aber falsch verwendet. Teuerung ist nicht gleich Inflation, aber Inflation immer eine Teuerung. Jüngst war zu lesen: „Öl-Rally treibt die Inflation.“ Mit diesem Titel berichtete die FAZ in ihrem Wirtschaftsteil über den Anstieg der aktuellen Inflationsrate. Als Erklärung dafür nannte sie drei Sonder­einflüsse: Erstens sei die befristete Senkung der Mehrwertsteuer mit Jahresbeginn ausgelaufen. Zweitens habe sich die CO2-Abgabe auf Benzin, Diesel und Heizöl ausgewirkt, die vorgeblich helfen soll, vor Klimaerwärmung zu schützen. Und drittens sei der Rohölpreis kräftig gestiegen. Hinter der Rohölverteuerung steck­e zweierlei: die Erwar­tung einer globa­len Wirt­schafts­er­ho­lung und eine künst­li­che Verknap­pung der Förder­men­gen durch die Ölstaa­ten. (FAZ vom 17. März 2021 Seite 15).Ebenso hatte die Zeitung über den Index der Verbraucherpreise des Statistischen Bundesamtes schon Ende Januar 2021 berichtet.[1] Damals nannte sie auch noch einen möglichen weiteren Grund:  Die Anhe­bung des gesetz­li­chen Mindest­lohns könne auf die Preise durchgeschlagen haben. Daneben machte das Bundesamt auf die möglichen Einflüsse der Lockdown-Maßnahmen aufmerksam und gab dazu methodische Hinweise.[2] Doch wenn es diese Gründe sind, die zum Preisauftrieb geführt haben, dann ist das keine Inflation. Warum?

Nicht jeder Preisanstieg ist Inflation

Immer wieder wird Inflation genannt, was keine ist. Immer wieder werden die Begriffe Inflation und Teuerung durcheinander geworfen. Wenn beispielsweise der Rohölpreis steigt, weil weniger Rohöl angeboten wird, aber die Nachfrage nach Rohöl unverändert bleibt, dann ist das kein inflationärer Vorgang, sondern eine rein marktbedingte Reaktion, eine für die Verbraucher zwar unerfreulich zwangsläufige, aber ganz normale Teuerung. Wenn der Maispreis steigt, weil Trockenheit die Ernte dezimiert hat, ist auch das keine Inflation, sondern ebenfalls schlicht eine marktbedingte Preissteigerung, eine Teuerung. Wenn der Staat den Mehrwertsteuersatz heraufsetzt und daher alle Güter und Dienstleistungen auf breiter Front teurer werden, ist das ebenfalls keine Inflation, sondern politisch verordneter Preisanstieg

Nur der Preisanstieg als Folge aufgeblähter Geldmenge ist Inflation

Wenn dagegen zentrale Notenbanken mit ihrem staatlich verliehenen Geldmonopol und Banken mit ihrem Teilreserveprivileg durch Kreditvergabe die Geldmenge weit über das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft hinaus aufblähen und dem dann ein Anstieg des Preisniveaus in dieser Volkswirtschaft folgt, weil das Güterangebot der aufgeblähten Geldmenge nicht so schnell (oder vielleicht auch gar nicht) folgen kann, dann ist das Inflation – vom Lateinischen inflare = aufblähen.

Preisanstieg als Folge einer Verknappung von Gütern ist keine Inflation

Oder anders formuliert: Auf freien Märkten, also bei unbeschränktem Wettbewerb, pflegen Güterpreise nur dann zu steigen, wenn die kaufkräftige Güternachfrage größer ist als das gleichzeitig vorhandene Güterangebot. Die Ursachen dafür sind bekanntermaßen zwei: Entweder ist das Angebot, gemessen an der Nachfrage, zu knapp, oder die Nachfrage ist, gemessen am Angebot, zu groß. Zu knapp heißt, die Gütermenge ist geringer geworden (Beispiel Produktionsausfälle) oder nicht ebenso gewachsen wie die kaufkräftige, also die mit Geld ausgestattete Nachfrage. Wenn also Preise bei unverändertem Angebot und unveränderter Nachfrage steigen, weil die Geldmenge aufgebläht ist, dann ist das Inflation. Wenn Preise steigen, weil das Angebot bei unveränderter (oder gar gestiegener) Nachfrage zurückgegangen oder die Nachfrage bei unverändertem (oder gar gesunkenem Angebot) gestiegen ist, dann ist das keine Inflation, sondern eine Teuerung.

Markt- oder inflationsbedingten Preisanstieg auseinanderhalten

Das eine ist die Teuerungsrate, das andere die Inflationsrate. Steigt also der Index der Verbraucherpreise, heißt das korrekt und schlicht Teuerung, Preisanstieg oder Preisauftrieb. Diese Teuerung kann teilweise oder ganz auch inflationsbedingt sein, muss es aber nicht. Wäre sie ganz eine Folge der Geldmengenaufblähung, wäre die Teuerungsrate zugleich die Inflationsrate. Normalerweise ist sie das aber nicht. Die Begriffe Inflationsrate und Teuerungsrate sind also zweckmäßigerweise auseinanderzuhalten. Denn an solcher Unterscheidung muss sich Wirtschaftspolitik orientieren, wenn es gilt, das Preisniveau in der Volkswirtschaft oder in dem einen oder anderen Wirtschaftszweig im Zaum zu halten. Wer Preissteigerungen durch politisches Handeln verhindern oder eindämmen will, muss wissen, ob  sie marktbedingt oder/und inflationsbedingt sind, muss  also den Unterschied beachten, weil für Handeln in Geld- und Wirtschaftspolitik, um erfolgreich zu sein, unterschiedliche Mittel anzuwenden sind. Oder auch gar keine, jedenfalls nicht vom Staat.

Stimmt der amtliche Verbraucherpreis-Index überhaupt?

Allerdings gibt es Zweifel daran, ob der amtliche Verbraucherpreis-Index, stets Inflationsrate genannt, überhaupt stimmt. Gunther Schnabl schrieb 2017, die Inflationsrate werde nicht richtig gemessen. Wichtige Preise würden von den Notenbanken ignoriert. Das billige Geld der Zentralbanken habe weltweit in wilden Zyklen die Preise von Aktien, Immobilien, Gold und Rohstoffen nach oben getrieben (FAZ vom 2. Mai 2017, Seite 18). Das heißt: Die Inflation durch die aufgeblähte Geldmenge findet zuerst auf den Märkten für Vermögensgüter statt und auf den Konsumgütermärkten zunächst noch nicht.

Was ist mit der Quantitätsgleichung? Gilt sie noch?

In seinem Beitrag „Die Inflation wird nicht richtig gemessen“ wirft Schnabl die Frage auf, ob die sogenannte Quantitätsgleichung noch gültig ist und folgert in diesem Zusammenhang: „Die Verteilungseffekte der ultraexpansiven Geldpolitiken zugunsten der Reichen schwächen die Kaufkraft der Mittelschicht, deren Kaufverhalten die Verbraucherpreisindizes abbilden. Steigende Preise für Luxusgüter bleiben außen vor. Daraus lässt sich vor allem eines lernen. Die Quantitätsgleichung[3] würde wohl noch gelten, wenn die Inflation mit einem breiteren Index gemessen würde. Das scheint aber politisch nicht erwünscht, so dass die Inflationsziele neuerdings dazu dienen, eine interessengeleitete Geldpolitik zu verschleiern.“

Märkte, auf denen die Preise inflationsbedingt schon gestiegen sind 

Schaut man auf die exorbitante Ausweitung der Geldmenge durch die Europäische Zentralbank, fragt man sich, warum der Verbraucherpreis-Index in Deutschland und in der EU (scheinbar) so erstaunlich niedrig ist, überschwemmt sie doch die EU-Volkswirtschaft mit Geld, indem sie den hochverschuldeten Staaten und Banken deren Anleihen abkauft und damit in den Wirtschaftskreislauf frisches Geld hineinpumpt. Doch macht sich das Inflationspotential dieser Geldmengenausweitung sichtlich bisher erst auf besonderen Sachgütermärkten bemerkbar: auf den Finanzmärkten (Beispiel: Kursrekorde am Aktienmarkt), auf den Immobilienmärkten (Preisanstieg für Agrarland, Bauland, Häuser), auf den Märkten für Edelmetalle wie Gold und Silber (Angst vor Geldentwertung, Währungszusammenbruch), auf  Rohstoffmärkten und auf den Märkten für Luxusgüter. Die Inflation findet dort statt, denn alles dies zählt nicht zu den Konsumgütern, auf die sich der Verbraucherpreis-Index konzentriert. Bei Otto Normalverbraucher dagegen und damit auf den Konsumgütermärkten ist die Geldschwemme noch nicht angekommen. Das dauert länger. Oder geschieht es vielleicht auch gar nicht?  Das widerspräche dann aber der Quantitätstheorie des Geldes.[4]

[1] FAZ vom 29. Januar 2021, Seite 15.

[2] Pressemitteilung Nr. 57 vom 10. Februar 2021 hier. Neben dem Verbraucherpreis-Index (VPI) gibt es noch den „harmonisierten“ Verbraucherpreis-Index (HVPI) Er belief sich für Deutschland  im Januar 2021 auf 1,6 Prozent gegenüber minus 0,7 Prozent im Dezember 2020. An ihm orientiert sich die EZB. Der HVPI wurde in der Europäischen Union (EU) entwickelt, um Preisänderungen international vergleichen und zu einer Gesamt­inflationsrate für Europa und der Europäischen Währungsunion zusammenfassen zu können. Näheres beim Statistischen Bundesamt hier.

[3] Schnabl erläutert: „Die Quantitätsgleichung wurde vom Harvard-Professor Irving Fisher (1867 bis 1947), aufbauend auf John Locke, David Hume, John Stuart Mill und Simon Newcomb, formuliert. In der heute üblichen Form lautet sie: M*V=P*Y. Das bedeutet: Geldmenge M multipliziert mit der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes V ist gleich dem realen Bruttoinlandsprodukt Y (Summe aller produzierten Güter und Dienstleistungen) multipliziert mit deren Preisen P. Die Umlaufgeschwindigkeit gibt an, wie häufig eine Geldeinheit in einer Periode eingesetzt wird, um eine Transaktion abzuwickeln. Milton Friedman leitete aus der Quantitätsgleichung die monetaristische Inflationstheorie ab, in der langfristig Inflation „immer und überall ein monetäres Phänomen“, also vom Geldmengenwachstum abhängig ist.“  Prof. Dr. Gunther Schnabl ist Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig.

[4] Wer meint, Geldmengenausweitung führe nicht zu höheren Preisen, sei zum Beispiel auf Patrick Barron verwiesen. Für ihn gehört diese Ansicht zu einem der sechs ökonomischen Mythen, die er im Zusammenhang mit Geld und Inflation aufzählt und kurz beschreibt. Im August 2014 schrieb er: „Zurzeit sind die Regierungen damit beschäftigt, den Menschen einzureden, dass weder die Finanzierung der Staatschulden durch die Notenbank, noch die allgemeine ‚monetäre Lockerung‘ das Preisniveau erhöhen. Tatsache ist, dass ökonomische Gesetze auch im Geldwesen ihre Gültigkeit behalten. Ludwig von Mises und andere österreichische Ökonomen haben gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen Geldmengeninflation und Preisniveau nicht mechanischer Natur ist. Nichtsdestotrotz bildet laut Mises die ‚Quantitätstheorie des Geldes’ das Fundament aller Geldtheorien, wonach eine positive Beziehung zwischen Geldangebot und Preisniveau besteht. Mehr Geld führt schlussendlich zu höheren Preisen (und umgekehrt).“  Barron lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität Wisconsin, Madison. Außerdem unterrichtet er die “Österreichische Schule der Nationalökonomie” an der Universität Iowa, Iowa City. Den ganzen Barron-Beitrag finden Sie hier.

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Das Ludwig von Mises Institut Deutschland wurde im Oktober 2012 gegründet. Es ist benannt nach Ludwig von Mises (1881 – 1973), dem wohl bedeutendsten Ökonomen und Sozialphilosophen des 20. Jahrhunderts. Ludwig von Mises hat bahnbrechende und zeitlose Beiträge zum systematischen Studium in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaft geleistet. Die folgenden Authoren publizieren für Mises: Klaus Peter Krause Andreas Tögel Antony P. Mueller
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