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Negativzinsen verursachen steigende Hypo-Zinsen – erst Recht zur „Corona-Unzeit“

„Ich glaube, dass einige Kommentatoren die Strenge der eingeführten Massnahmen (Einführung der Negativzinsen, Anmerkung des Autors) noch nicht ganz begriffen haben (…).“

„Sollten die Massnahmen nicht den gewünschten Erfolg zeigen, liessen sie sich auch verschärfen (…).“ Und: „Wir werden den Mindestkurs weiterhin mit aller Konsequenz durchzusetzen.“

Das waren die Worte von SNB-Chef Thomas Jordan bei der Einführung der Negativzinsen, kurz vor der Abschaffung des Mindestkurses.

Was haben diese Negativzinsen bisher bewirkt?

Trotz ihrer Einführung vor über fünf Jahren konnten sie die Erstarkung des Frankens nicht verhindern. Kurz nach Ihrer Einführung durchbrach der Euro gegen Franken den von der SNB angeblich durchsetzbaren Mindestkurs von 1.20 und näherte sich unaufhaltsam der Schallmauer von eins zu eins.

Damals jubilierten namhafte Parlamentarier alle Couleur, die Negativzinsen hätten tiefere Hypothekarzinsen zur Folge. Bereits im Januar 2015 schrieb ich hier:

„Müssen die Banken der SNB Strafzinsen bezahlen, so verringert sich die Zinsmarge der Banken. Und um diese auszugleichen, müssen die Banken ihre Zinsen auf Hypotheken nicht senken, sondern im Gegenteil anheben.“

Bisher konnten die Banken ihre Zinskosten bei der SNB ausgleichen durch höhere Kommissionen und Gebühren ihrer Kunden. Aber solche Massnahmen sind früher oder später ausgereizt, und es ist nicht vermeidbar, dass die Banken anderweitig versuchen, ihre Margen aufrecht zu erhalten.

Negativzinsen der Zentralbanken führen also keineswegs zu fallenden Hypothekarzinsen. Warum nicht? Der Grund liegt darin, dass die SNB den Schweizerbanken keineswegs Kredit zu negativen Zinsen gewährt.

Im Gegenteil: Die Banken gewähren umgekehrt der SNB Kredite, auf denen sie der SNB noch Zinsen bezahlen müssen. Warum tun sie das? Die Banken tun das, weil die SNB ihnen günstige Franken gegen teure Euros verkauft.

Die Banken rechnen damit, dass der Franken steigt beziehungsweise der Euro fällt und sie die Euros billig wieder zurückkaufen können. Sie hoffen also auf Devisenkursgewinne, welche ihre Negativzinsen bei weitem wieder wettmachen werden.

Sie erhoffen sich ein Geschäft zulasten der SNB, zulasten der Schweizer Steuerzahler.

Wenn nun die SNB zusätzlich (flankierend) den Franken schwächt, so treten die erhofften Devisengewinne der Banken aber nicht ein, und sie müssen anderweitig versuchen, Gewinne zu erwirtschaften.

Was tun? Hypozinsen senken? Bestimmt nicht. Logischerweise müssen sie die Zinsen, welche sie von den Kunden für deren Hypothekarkredite verlangen nicht senken, sondern im Gegenteil anheben. Nur so können sie ihre Zinsmarge verbessern.

Die langen Gesichter von Herrn und Frau Schweizer aufgrund der Tatsache, dass jetzt – zur „Corona-Unzeit“ – die Hypothekarzinsen nicht fallen, sondern im Gegenteil steigen, sind unbegründet.

Wenn die Notenbanker behaupten, sie würden mit den Negativzinsen die Wirtschaft ankurbeln, so ist das einfach eine weitere „Ente“ der SNB, die nicht ernst zu nehmen ist. Das Gegenteil ist wahr.

Fallende Minuszinsen auf der Passivseite der Zentralbank-Bilanz haben denselben Effekt wie steigende Zinsen auf der Aktivseite der Zentralbank-Bilanz. Das heisst, die Hypozinsen steigen.

Und nun sind wir wieder bei der Bilanz der Zentralbank.

Es gab oft anonyme Kommentatoren hier zu meinen früheren Artikeln, welche mich als „Buchhalter“ – „Buchhalter Nötzli“ – abtaten. Diese Kommentatoren verteidigten immer wieder auf diese Weise die abstruse Geldpolitik unserer Nationalbank.

Zuerst. Ich bin nicht Buchhalter, sondern Volkswirtschaftler. Aber Volkswirtschaftslehre ist heutzutage eine dermassen liederliche, widersprüchliche und zerstrittene Wissenschaft und mit so vielen Irrlehren durchsetzt, dass man nicht umhinkommt, die exakten Aussagen der Buchhaltung beizuziehen.

Wenn jemand behauptet, in der Mathematik sei die Unterscheidung von „Plus“ oder „Minus“ bei einer Zahl unerheblich, so wird eine mathematische Diskussion unmöglich.

Genauso in der Wirtschaftswissenschaft: Links und rechts der Bilanz ist nichts anderes als die visuelle Unterscheidung zwischen Plus und Minus.

Links, genannt „Aktivseite“, wird fein säuberlich und übersichtlich aufgelistet, wie sich das Vermögen des Unternehmens zusammensetzt. Und die rechte Seite der Bilanz listet fein säuberlich auf, gegenüber wem das Unternehmen Schulden hat. Der Rest gehört dem Eigentümer.

Wenn wir also von „Zinssenkungen“ bei den Zentralbanken sprechen, so müssen wir ganz genau unterscheiden: Ist von den Zinsen die Rede, zu denen die Zentralbanken Kredite gewähren (Aktivzinsen) oder von jenen Zinsen, zu welchen die Zentralbanken Kredite aufnehmen (Passivzinsen)?

Wie gesagt: Die Volkswirtschaft ist eine äusserst liederliche Wissenschaft, welche nicht unterscheidet zwischen Aktiv- und Passivzinsen, zwischen Vermögens- und Schuldzinsen der Zentralbanken. Es wird bei den sogenannten „Leitzinsen“ nicht einmal unterschieden zwischen Vermögens- und Schuldzinsen der Zentralbank.

Diese Vernachlässigung ist fatal.

Jahrzehntelang waren der sogenannte „Diskontsatz“ und der „Lombardsatz“ (bis ins Jahr 2000) die Leitzinsen der SNB und anschliessend der sogenannte „3-Monats-Euro-Libor“. Von diesen Leitzinsen gewährte die SNB aber keinen einzigen müden Rappen Kredit an die Schweizer Wirtschaft. Das waren „Phantom-Leitzinsen“.

Seit Einführung des Minuszinssatzes stellt nur dieser Minuszins, den die Banken der SNB auf ihren Guthaben zu bezahlen haben, den Leitzins der SNB dar.

Die SNB hat also aus dem „aktiven“ Leitzins einen „passiven“ Leitzins gemacht, ohne zu bemerken oder zu kommunizieren, dass diese beiden Zinsen umgekehrte Auswirkungen auf die Volkswirtschaft haben:

Fallende Passivzinsen (Negativzinsen) haben denselben Effekt auf die Volkswirtschaft wie steigende Aktivzinsen. Deshalb führen die Minuszinsen der SNB nicht zu tieferen, sondern zu höheren Hypothekarzinsen.

Die „Corona-Krise“ bewirkt nun, dass der Franken noch stärker wird und die SNB „wie wild“ Euros kauft. Das wird nicht mehr lange gut gehen. Die SNB wird die gekauften Euros nie mehr los werden. Würde sie diese verkaufen, so fiele der Euro erst recht.

Unglaublich, die Blindheit unserer Nationalbank.

Seit Beginn der „Corona-Krise“ dürfte die SNB bereits einige Dutzend Milliarden Volksvermögen an den weltweiten Aktien-, Devisen- und Zinsmärkten verloren haben – Geld, das wir nun in der Schweiz selber gut gebrauchen könnten.

Ein stattlicher Teil des Eigenkapitals der SNB (Eigentum der Schweizerinnen und Schweizer) wurde dadurch unnötig zunichte gemacht und im Ausland verspielt. Um sich vor negativem Eigenkapital zu schützen, wird die SNB ihre Passivzinsen noch mehr in den negativen Bereich drücken (siehe Aussage Jordans zu Beginn dieses Beitrags).

Die Geldpolitik der SNB mit ihren Negativzinsen führt also nicht zu fallenden Hypothekarzinsen, sondern zu steigenden Hypothekarzinsen – trotz gegenteiliger Behauptung unserer Nationalbank. Vor diesem Hintergrund ist der markante Anstieg der Hypothekarzinsen seit Ausbruch der Corona-Krise zu verstehen.

Rettungsgelder für Schweinsfilets statt Masterplan fürs rasche Hochfahren der Wirtschaft ist kreuzfalsch, meint Hans Geiger. Die Regierung müsse endlich einen fähigen Mister Corona bestimmen.

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Marc Meyer
Together with the professor Hans Geiger and Lukas Hässig, Dr Marc Meyer is the biggest opponent of the Swiss National Bank. Analogously to Macbeth's three witches, George Dorgan called them the three Swiss sorcerers that fight against the seemingly unlimited power of central banks.
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