Previous post Next post

Die Wiederwahl Obamas bedeutet nichts Gutes für die Schweiz

 

Barack Obama war und ist der präferierte Kandidat vieler Schweizer. Obama scheint der Mann von Welt zu sein, während vom konservativen Mitt Romney eher feindselige Politik gegen Russland, China und Iran zu erwarten ist. Daher sind die Neutralität- und Frieden-liebenden Schweizer eher auf Obamas Seite.

Aber auch wirtschaftspolitisch scheinen viele Eidgenossen Obama zu mögen. So meinte Markus Diem Meier von der Finanz und Wirtschaft, dass er “doch lieber Obama” möchte. Insbesondere sagte er:

“Den Notenbankchef Ben Bernanke (eigentlich ein Republikaner) will Romney bei der Erneuerungswahl des Fed-Chefs loswerden. Die geldpolitischen Stimuli gelten den Republikanern genauso als Teufelswerk, wie eine aktive Fiskalpolitik, die in einer Lage wie jetzt und nur dann (bei unterausgelasteten Kapazitäten, bei Leitzinsen von Null Prozent, tiefen Renditen für Staatsanleihen und keinen Verdrängungseffekten auf den Kapitalmärkten) ein angemessenes Instrument wären – sofern sie mit einem glaubwürdigen mittelfristigen Sparplan verknüpft werden.”

(Ob man den Neu-Keynesianier Bernanke zu den Republikanern rechnen sollte, wage ich zu bezweifeln.)

Aus Meiers Aussage lässt sich direkt ableiten, dass es mit Obama und Bernanke weitere vier Jahre systematischer finanzieller Repression und Unterdrückung des US Dollars geben wird.

Eine Wahl von Obama bedeutet auch, dass eher Neu-Keynesianer, sogenannte “Tauben” in das Board of Governors gewählt werden.  Weitere vier Jahre Obama und Bernanke implizieren negative Realzinsen in den USA.

Die Wahl Obamas und das Einfrieren des antizyklischen Kapitalpuffers heizt den Schweizer Immobilienmarkt weiter an

 

UBS Immobilien Blase IndexBei der aktuellen europäischen Krise ist es zu erwarten, dass es auch in der Eurozone negative Realzinsen für Jahre geben wird. Dies bedeutet aber, dass der Run auf Gold, den Franken und Schweizer Immobilien, die laut UBS gerade erst mal in der Riskozone angekommen sind, weiter gehen wird. Der Immobilienmarkt hat viel Platz nach oben und die SNB hat den antizyklischen Kapitalpuffer unverständlicherweise erst einmal auf Eis gelegt. Der Puffer ist eigentlich ihre letzte Chance, die nun ungenutzt verstreicht.

 

 

Volkers Inflationsbekämpfung rettete die SNB 1979 vor der ersten Pleite

Wenn die Nationalbank keine neue Immobilienblase will und, wie Jim Rogers sagte, eine Bewahrung des Schweizer Finanzplatzes will, wird sie aufgeben und einen stärkeren Franken akzeptieren müssen, mit den verbundenen hohen Verlusten.

Und ich kann mir die Herren der Nationalbank vorstellen, wie sie heimlich Romney die Daumen drückten. Sie wissen, dass mit nur Volcker’s entschlossener Bekämpfung der Inflation, die SNB 1979 vor einer möglichen Pleite bewahrt wurde:

“When the news of a fundamental change in U.S. monetary policy hit the Swiss National Bank (SNB) in October 1979, its key officials welcomed the Fed’s decision with noticeable sighs of relief. The SNB was pleased about the U.S. policy switch for two reasons. First, the Fed’s unwillingness to take decisive action against inflation had complicated considerably the conduct of Swiss monetary policy. In particular, accelerating U.S. inflation had prompted worried international investors to sell dollar-denominated assets in exchange for other currencies such as Swiss francs. The ensuing sharp drop in the exchange rate of the U.S. dollar had upset the SNB’s calculations and had undermined its efforts to achieve price stability without jeopardizing real growth of the domestic economy. Second, the SNB hoped that the Fed’s conversion to monetary discipline would help to convince other monetary authorities of the need to achieve low inflation.” (ehemaliger Chefvolkswirt der SNB, Georg Rich)

 

Nur mit Romney hätten die USA eine Chance auf mehr Monetaristen,  sogenannte “Falken”  und auf eine frühere Leitzinserhöhung, die die Inflation bekämpft und den Dollar gegenüber Gold oder dem Franken interessanter machen könnte.

Obama im Steuerstreit viel härter zur Schweiz als Romney

Auch wenn viele denken, dass sich im Steuerstreit mit den USA sich nicht viel ändern würde, Mitt Romney ist klar liberaler, was Steuern anbetrifft. So strebt er ein langfristiges Ziel, Steuern auf Dividenden, Zinserträge und Kapitalerträge abzuschaffen, an. Er wird dann sicher nicht zwischen Einkommen auf Schweizer Konten und auf amerikanischen Konten unterscheiden. Auch die Schweizer Botschafterin unter Ronald Reagans Amtszeit, Faith Whittlesey, sagt:

Aber eine Regierung Romney würde wohl anders umgehen mit der Schweiz. Romney ist sehr klug und galt als einer der besten Finanzexperten in Harvard. (Berner Zeitung)

 

US-Probleme längst nicht gelöst

 

Selbst die letzten ein wenig besseren Jobs-Zahlen im Oktober haben nicht einmal gereicht, um das Bevölkerungswachstum von 200’000 auszugleichen. Die irrationalen Börsen benutzen letzten Freitag die überraschend hohe Anzahl von neuen Arbeitsplätzen, um zu denken, dass die US-Probleme bald gelöst wären und die Fed die künstliche Unterstützung der Aktienbörsen aufgeben würde. Dadurch fielen die Börsen und die  “Anti-Amerika Angst-Anlageklassen” Gold um 2.5% und Silber um 4% an nur einem Tag.

New jobs based on CES survey

 Amerika’s Jobs laufen der Entwicklung der Bevölkerung hinterher (Quelle SNBCHF.COM)

 

Wegen der Eurokrise und weil Immobilien in Europa, China und anderen Entwicklungsländern überbewertet, aber US-amerikanische dank Foreclosures billig erscheinen, haben viele Investoren ihr Geld in die USA zurückgeholt. Diese Tendenz kann sich über Monate fortsetzen. Wir denken, dass die USA für die nächsten sechs bis 18 Monate viel stärker als Europa wachsen werden. Und dies nicht zuletzt, da sich die Amerikaner dank der Fed im Gegensatz zu den Europäern wieder in Schulden stürzen.

[tweet

 

Der Run auf den Franken wird wiederkommen

Investoren reagieren wie Lämmer und tun wie auf Kommando alle das gleiche, so gesehen im Mai 2010, im August 2011 und im Frühjahr und Sommer 2012, als der Franken die Fluchtburg war. Das Szenario wird sich sofort wiederholen, wenn die Schweizer Inflation auf Werte von ca. 1% steigt und bis dahin die üblichen Probleme, nämlich zu hohe Ölpreise dank globalem Wachstum, weiterhin hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Leistungsbilanzen in die USA zurückkehren. Und China, Deutschland und die Schweiz werden dank des von der Fed gesponserten neuen US-Konsumrauschs noch positivere Leistungsbilanzsalden erwirtschaften.

Wer als Schweizer Obama vorzieht, der akzeptiert, dass entweder die Nationalbank grosse Verluste einfahren wird oder dass es wieder zu einem Immobiliencrash kommt. Da die SNB das zweite Szenario, das zehn Jahre schwaches Wachstum von 1995 bis 2005 für die Schweiz auslöste, wie der Teufel das Weihwasser fürchtet, bleibt nur nur das erste.

Obama mag zwar das kleinere Übel für die USA und den Weltfrieden sein, er ist aber das weit grössere Übel für die Schweiz.

 

George Dorgan
George Dorgan (penname) predicted the end of the EUR/CHF peg at the CFA Society and at many occasions on SeekingAlpha.com and on this blog. Several Swiss and international financial advisors support the site. These firms aim to deliver independent advice from the often misleading mainstream of banks and asset managers. George is FinTech entrepreneur, financial author and alternative economist. He speak seven languages fluently.
Previous post See more for Makroökonomie Next post
Tags: ,,,,,

Permanent link to this article: https://snbchf.com/2012/11/die-wiederwahl-obamas-bedeutet-nichts-gutes-fur-die-schweiz/

3 comments

  1. gml

    Wenn das Problem die Immobilien Preise sind, dann gibt es wohl alternative Lösungen, außer einen stärkeren Franken und höhere Leitzinsen.

    Z.B. durch die Steuerpolitik (wie in Hong Kong, deren Situation ähnlich ist)

  2. DorganG

    Danke für den Kommentar, hier meine Antworten:
    1) Erhöhung der Steuern: Die Mwst. Einführung 1995 hat die Inflation erhöht und die damalige Immobilienkrise nur verschärft.
    Eine Steuererhöhung auf Immobilien nur für Ausländer wie in Hongkongs sind mit den bilateralen Verträgen und einfachen Umgehungsmöglichkeit leicht auszuhebeln. So kann ein EU-Bürger in der Schweiz eine Wohnung kurzzeitig mieten, sich anmelden und danach eine Immobilie kaufen. Um das zu ändern müsste die Schweiz die bilateralen Verträge kündigen.

    2) Die Währungsreserven in Hongkong stiegen in den letzten Jahren bei weitem nicht so stark in die der Schweiz.

    3) Hongkong sieht sich einem klar überbewerteten Immobilienmarkt gegenüber. In der Schweiz ist es nur leicht überbewertet, in der anfangenden Risikophase. Daher ist weiteres Aufwerten des Franken durch teurere Immobilien und daraus resultierender Inflation gut möglich.

    4) Hongkong besitzt nicht so grosse Safe Haven Attraktivität wie die Schweiz, da es immerhin von dem autoritären Staat China beherrscht wird.

    5) Hongkong ist daneben wahrscheinlich gezwungen, seinen Peg aufzuheben.

    Die SNB hat die beste aller Alternativen, den antizyklischen Kapitalpuffer, gewählt. Aufgrund des schwachen Wachstums hat sie eigentlich genau wie die Fed eine Unterstützung des Immobilienmarktes gewählt, und damit die Verschiebung des Puffers vorgezogen.

    1. gml

      Danke für die Antwort.
      Dass der antizyklische Kapitalpuffer die beste aller Alternativen ist damit bin ich einverstanden.
      Die nicht-Aktivierung weist darauf hin dass die Situation am Immobilienmarkt zwar Aufmerksamkeit verdient, aber noch weit von der roten Zone entfernt ist.
      Was ich mit meinem vorherigen Kommentar meinte:
      1) wenn sich der Immobilienmarkt weiter Aufbläht;
      und
      2) wenn die ordinären Maßnahmen (wie der antizyklische Kapitalpuffer) nicht greifen sollten;
      dann gibt es noch eine Reihe Optionen (wie z.B. die Steuerpolitik)
      bevor die SNB den Franken aufwerten lässt, was Verluste an Geld und Glaubwürdigkeit impliziert.

      Das heißt für mich dass der 1.20 Floor noch lange bestehen wird.

      Irgendwann wird er wahrscheinlich aufgehoben werden, wie irgendwann der Peg des HKD zum USD aufgehoben werden wird.

      Aber nicht in ein paar Monaten, das kann viele Jahre dauern.

      PS:
      Hoffentlich habe ich nicht zu viele Fehler gemacht, ich schreibe fast nie in Deutscher Sprache.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>