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Die SNB hat den Währungskrieg selbst angezettelt – und schon wieder eine Schlacht verloren

SNB Trade War

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Die SNB befürchtet einen Handelskrieg, der in einen Währungskrieg münden und schliesslich zu einer grossen Depression führen könnte. Wir alle wissen, dass nach der grossen Depression der Weltkrieg kam. Die Ökonomen und Zentralbanker sind also aufs äusserste gefordert. Eine exakte ökonomische Analyse hat höchste Priorität.

SNB-Chef Jordan sagte vorgestern vor der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Bern: „Die Erfahrung mit der Grossen Depression lehrt uns, dass auf einen Handelskrieg ein Währungskrieg folgen kann.“

Vor diesem Hintergrund erstaunt es – ja befremdet es – mit welcher Oberflächlichkeit, um nicht zu sagen, mit welcher Ignoranz und Arroganz, die SNB sämtliche Warnungen bezüglich ihrer Geldpolitik in den Wind schlägt.

Schritt für Schritt steuert sie auf ein unnötiges finanzielles Desaster zu, welches nicht nur die Schweizer Wirtschaft fundamental erschüttern könnte, sondern auch die weltweiten Finanzmärkte. Der Konkurs von Lehman Brothers, der die letzte Finanzkrise auslöste, wäre wohl harmlos dagegen.

Mit einer gemeinsamen Währung soll Europa zusammengehalten werden. Europa hat sich aber Zentralbankern ausgeliefert, welche die Grundzüge ihres Geschäfts nicht verstehen. Europa wird durch seine Zentralbanker am meisten gefährdet.

Gehen wir der Reihe nach. Wenige Wochen vor der Einführung des Mindestkurses, am 2. August 2011, fand das geheime sogenannte „Franken Rütli“ unter der Leitung von Bundesrat Johann Schneider-Ammann statt.

Die NZZ schrieb: „Noch am Abend des 2. August, um 19 Uhr, tritt der Wirtschaftsausschuss des Bundesrats zusammen: Schneider-Ammann, Eveline Widmer-Schlumpf und Doris Leuthard treffen sich mit dem Direktorium der SNB um Philipp Hildebrand. Schneider-Ammann informiert über das Treffen mit Rohner, Hess, Bührer, Hayek – und überbringt deren Wunsch nach einer baldigen Intervention der SNB. Für die Notenbanker ist das eine willkommene Nachricht: Sie werden am nächsten Morgen losschlagen.“

Wer hat also den Währungskrieg angezettelt?

Thomas Jordan war damals Vize-Präsident des SNB-Direktoriums. Die restlichen Hauptakteure werden in wenigen Wochen alle ihre Posten verlassen haben. Jordan ist der letzte verbleibende Akteur. Er hat alles mitgetragen, entgegen besseren Wissens.

Gemäss Presseberichten hatte er sich in seiner Doktorarbeit gegen eine Anbindung des Frankens an den Euro ausgesprochen. Eine Untergrenze ist noch viel gefährlicher. Das hätte Jordan wissen müssen.

Dass die SNB nicht nur drohte, sondern tatsächlich einen Währungskrieg anzettelte, belegen eindrücklich die diesbezüglichen Daten. Gemäss den neusten, vorgestern veröffentlichten Daten hat die SNB 764 Milliarden Franken, das sind fast 98 Prozent ihres gesamten Vermögens (abzüglich Gold), in ihren Währungskrieg investiert und deshalb Devisen gekauft.

Zum Vergleich: Die EZB hat nur rund 7 Prozent in Devisen angelegt, wobei davon nur ein Minimum in Schweizerfranken angelegt sein dürfte. Noch deutlicher sind die Zahlen der US-Notenbank Fed: Die von Jordan als Verursacher eines möglichen Währungskrieges gebrandmarkten Amerikaner haben nur 21 Milliarden bei einer Bilanzsumme von 4’200 Milliarden in Devisen investiert. Das entspricht rund einem halben Prozent.

Wer führt also einen gefährlichen Währungskrieg gegen wen? Die EZB mit 7 Prozent ihres Vermögens, die USA mit 0,5 Prozent ihres Vermögens respektive mit 21 Milliarden, oder die SNB mit 760 Milliarden, was fast 99 Prozent entspricht?

Unsere Nationalbank ist ausser Kontrolle geraten. Unter dem Deckmantel der „Unabhängigkeit“ hat sie einen Währungskrieg gegen unsere wichtigsten Handelspartner vom Zaun gerissen, den sie nie und nimmer gewinnen kann.

Im vergangenen Quartal verlor die SNB erneut 12,9 Milliarden Franken. Was ist geschehen? Praktisch nichts. Es gab nur geringfügige Bewegungen an der Devisenfront, und die Zinspapiere haben nur leicht korrigiert. Trotzdem führte bereits dies zu einem beträchtlichen Verlust bei der SNB zulasten der Steuerzahler.

Erneut hat die SNB eine kleine Schlacht mit grossen Verlusten verloren, obwohl die Gegenparteien praktisch „nichts gemacht“ haben. Der ganz grosse Währungskrieg, den die SNB angezettelt hat, steht uns noch bevor – und die SNB hat praktisch ihre ganze Munition schon verschossen.

„Bravo Sergio“ ist man geneigt, zu sagen. Sergio Ermotti, Präsident der Geschäftsleitung der UBS (ich arbeitete mit ihm zusammen bei Citicorp Investment Bank, er in Zürich an der Reitergasse und ich in Genf) hat als erster namhafter Wirtschaftsführer gewagt, nach Bundesrat Ueli Maurer, die Bilanz der SNB öffentlich zu kritisieren.

Die im Anschluss an das Franken-Rütli viel beschworenen „geschlossenen Reihen hinter der SNB“ fangen an zu bröckeln; leider spät – möglicherweise zu spät.

Ja. Die SNB hat ihre Munition verschossen. Sergio sieht das ganz richtig. Oder will die SNB etwa noch mehr Devisen kaufen? Es scheint, dass nun auch die UBS bemerkt hat, dass sie eine der ganz grossen Kreditgeberinnen der SNB ist. Bis jetzt behauptet die SNB ja stets, sie selber würde die Liquidität schaffen, mit der sie ihre Devisen finanziert.

Dass das nicht stimmt, habe ich hier mehrmals auch buchhalterisch bewiesen. Erst seit die Bank of England auch auf den Zug aufgesprungen ist, sehen das immer mehr und mehr Ökonomen auch so.

Nein. Umgekehrt: Die UBS hat zeitweise über 120 Milliarden Franken Kredit an die SNB gewährt, damit diese Devisen für ihren Währungskrieg kaufen konnte. Die SNB ist also auf die UBS angewiesen. Die UBS muss der SNB keine Kredite gewähren, wenn sie nicht will. Die SNB hat keine rechtliche Handhabe, die UBS dazu zu zwingen, ihr Kredite zu vergeben.

SNB-Chef Thomas Jordan sieht das also ganz falsch, wenn er behauptet, die SNB bestimme die Höhe der Geldmenge (die Höhe der Giroguthaben der Banken bei der SNB, siehe Vortrag vor der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel). Nein. Die UBS kann nicht gezwungen werden, der SNB Kredite, nota bene zu einem Negativzins, zu gewähren. Das sollte auch ein Thomas Jordan endlich einsehen.

Und wenn Sergio sagt, die Munition der SNB sei verschossen, so kann das nur dahingehend interpretiert werden, dass die UBS nicht mehr gewillt ist, der SNB endlos weitere Kredite zu gewähren, damit diese ihren sinnlosen Währungskrieg weiter führt.

Und Ermotti hat Recht: Denn wenn Euro und Dollar sowie die Aktien- und Staatsanleihen stärker korrigieren, so dürfte das Eigenkapital der SNB bald weg sein. Und wenn dieses weg ist, so werden sämtliche Verluste der SNB sich eins zu eins auf die Bilanz der kreditgebenden Banken und damit auch der UBS übertragen.

Aus diesem Grund versucht die UBS auch, Stimmung dafür zu machen, dass ein Staatsfonds zum Kreditgeber der SNB wird. Dann wäre die UBS das Problem SNB endlich los. Nur unbedarfte Politiker und Politikerinnen befürworten das.

Allerdings hat Sergio Ermotti noch ein Problem mit seinem Chef, UBS-Präsident Axel Weber. Dieser war ja früher Chef der Deutschen Bundesbank. Und er ist auch einer jener Zentralbanker, welche Europa gefährden, weil überschuldete Zentralbanken eine Riesengefahr darstellen – wirtschaftlich und politisch.

Weber ist ein Zentralbank-Fantast, der meint, eine Zentralbank habe keine Schulden, müsse diese nie zurückzahlen. Er war Doktorvater des jetzigen Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann, der in seinen Schulmädchen-Interviews auf You-Tube behauptet, die EZB könne „schuldtilgendes“ Geld drucken.

Zu behaupten, eine Zentralbank könne ihre Schulden abbauen, indem sie Geld emittiert, ist genauso absurd wie zu behaupten, eine Zentralbank könne die Passivseite ihrer Bilanz verkürzen, indem sie diese verlängert.

Setzt sich Axel Weber gegen Sergio Ermotti durch und die UBS gewährt der SNB weiterhin endlos Kredite für deren Währungskrieg, so haben die UBS und die gesamte Schweiz ein Problem: Die UBS hat ein Problem, weil die SNB ihre Schulden bei der UBS in dreistelliger Milliardenhöhe nicht mehr vollumfänglich zurückzahlen kann. Und die Schweiz hat ein Problem, weil sie mit Steuergeldern ein Loch in der Bilanz der SNB in dreistelliger Milliardenhöhe stopfen muss.

Im letzten Quartal hat die SNB erneut eine Schlacht in ihrem Währungskrieg verloren. Es ist zu befürchten, dass sie ihren Währungskrieg auf der gesamten Linie verlieren wird.

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Marc Meyer
Together with the professor Hans Geiger and Lukas Hässig, Dr Marc Meyer is the biggest opponent of the Swiss National Bank. Analogously to Macbeth's three witches, George Dorgan called them the three Swiss sorcerers that fight against the seemingly unlimited power of central banks.
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