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Peter Regli – unwissend? ferngesteuert? verblendet?

Peter Regli, Divisionär ausser Dienst (a D), ehemaliger Unterstabschef Nachrichtendienst der Schweizer Armee (USC ND), ehemaliger Leiter des Nachrichtendienstes der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen, ehemaliger Assistent in der Schweizer Botschaft in Stockholm, von Bundesrat Adolf Ogi in die Wüste geschickt und später vollständig rehabilitiert (wikipedia), zweifelsfrei hoch intelligent, multilingual (u.a. russisch und chinesisch), unterhaltsam, fesselnd, eloquent, für die gute Sache einstehend und sich für die Schweiz einsetzend. Peter Regli versteht es, seine Zuhörer um den Finger zu wickeln und sie für sich zu gewinnen. Man kann ihn locker als Concierge, Moderator und Showmaster einsetzen. Gekonnt springt er von einer Sprache zur anderen und ist dabei stets bestrebt, es allen recht zu machen und niemanden zu vergessen. Alle haben den Applaus verdient – aber er bitte zuletzt. Ja, so kennt und schätzt man ihn.

Peter Regli – unwissend? ferngesteuert? verblendet?

Seit über zehn Jahren hält Regli überall in der Schweiz seine Vorträge zur sicherheitspolitischen Lage. Man sagt von ihm, dass er auch heute noch über gute und kameradschaftliche Verbindungen zu anderen Nachrichtendiensten (oder umgangssprachlich “Geheimdiensten”) pflege und so an hervorragende Informationen kommen könne. Was er sagt, muss also stimmen – wer will schon einem ehemaligen höchsten Nachrichtenoffizier der Schweizer Armee widersprechen wollen?

Nun, ich tue es.

Kürzlich habe ich Peter Regli meinen Jahresbericht der FOG zukommen lassen. Dies als Reaktion auf seine extrem Putin-feindlichen Ausführungen in seinen Vorträgen. “Das ist aktuell der gefährlichste Mann der Welt…” beginnt er nach einer kurzen Einführung jeweils seine Vorträge. Dann folgt normalerweise der volle Name Putins, gesprochen in russisch: “Wladimir Wladimirowitsch Putin“. Das Publikum hängt ihm nun an den Lippen. Rhetorisch einwandfrei liefert er sein Feuerwerk ab. Doch inhaltlich überzeugen seine Ausführungen nicht.

Wie schon gesagt, liess ich ihm meine Ausführungen zum letzten Jahr elektronisch zukommen. Er antwortete mir noch am gleichen Nachmittag mit folgenden Worten:

Guten Abend Herr Müller
Vielen Dank für Ihr Mail. Ich sehe Ihren Artikel, in der Tat, zum ersten Mal. Anscheinend beurteilen Sie die Ereignisse in der Ukraine durch eine andere Brille als ich. Es gäbe dazu viel zu sagen. Die Unterschiede zwischen Ihren und meiner Darstellung sind zu zahlreich und zu gross, um in einem Mail verarbeitet zu können (und zu wollen). Die Zukunft und die Entwicklung der Lage werden zeigen, wer von uns beiden die richtigen Gedanken hatte. Ich bin von meiner Beurteilung der Lage überzeugt! Bez. “Putin-Verstehern” habe ich mich heute bei Giardino klar geäussert.
Mit freundlichen Grüssen
Peter Regli

Peter Regli hat mir zudem einen Artikel aus der aktuellen NZZ (9. Mai 2015, Nr. 106, Bund: “Literatur und Kunst”, Seite 61) zukommen lassen, der seine Position verdeutlichen soll: Michail Schischkin schreibt über Erinnerungen an seinen Vater.

“Ich bin von meiner Beurteilung der Lage überzeugt!” – Das ist eindeutig. Es ist also seine Beurteilung. Ich habe ihm daher wie folgt geantwortet:

Sehr geehrter Herr Divisionär

Danke für Ihre rasche Antwort und den Beitrag der NZZ. Ich will mich gar nicht mit Ihnen über die Wahrheit im Ukrainekonflikt streiten – wir nutzen beide unvollständige Quellen, basieren auf Meldungen Dritter, sind Beeinflussungen von allen Beteiligten ausgesetzt. Ich habe zudem grosse Achtung vor Ihren Leistungen als oberster Nachrichtenchef – allerdings muss ich zugeben, dass dieses positive Bild mit Ihren Vorträgen etwas zu bröckeln beginnt.

Ich erlaube mir daher, Ihnen dazu ein paar Punkte zur Reflexion mitzugeben – eine Art “Debriefing” eines aufmerksamen Zuhörers:

Punkt 1: Vokabular

Sie verwenden in Ihren Vorträgen (ich war 3x im Publikum) häufig wertende Ausdrücke (z.B. “Regime”, “Diktator”). Es ist zu jedem Zeitpunkt klar, wer der Gute und wer der Böse ist. Eine Differenzierung findet nicht statt. Teilweise erkenne ich Formulierungen, welche NLP-Methoden gleichkommen oder von einem Spin begleitet werden (z.B. Giardino in die Nähe der Armeeabschaffer rücken).

Es erschreckt mich, dass solche Methoden angewendet werden (müssen). Reichen die Fakten nicht? Rhetorisch wird ein “Flächenfeuer” geschossen, so dass ja niemand auf die Idee kommen sollte, die von Ihnen erzählten Dinge zu hinterfragen oder zu überprüfen. Dies lässt – nicht nur bei mir – Zweifel aufkommen. Ist das nötig?

Punkt 2: Einseitigkeit/Partei

Die Schweiz ist bekanntlich neutral. Diese Neutralität wird aber nur solange von anderen Ländern akzeptiert, wie wir ihr nachleben und auch in Verteidigungsfragen unsere Stacheln in alle Richtungen zielen. Von einem ND-Profi würde ich daher grosse Ambivalenz in seiner Beurteilung erwarten. Leider ist davon nur sehr wenig zu spüren. In allen Ihren Ausführungen wird der Westen (v.a. NATO/USA) positiv dargestellt, der Russe (vielleicht auch der Iran und die Chinesen) ist der Aggressor. Von einem NATO Nof wäre dies verständlich, aber doch nicht von einem Schweizer Nof?!

Ihnen ist ja ganz offensichtlich bekannt, dass es eine andere Sicht auf die Welt gibt – wieso lassen Sie dann das Publikum nicht daran teilhaben und sich selbst eine Meinung bilden? Mit der schnippischen Bemerkung, dass es auch ein paar “Putin-Versteher” gibt, ist es doch nicht gemacht. Natürlich wollen die Zuhörer IHRE Meinung dazu hören, doch das sollte Sie nicht daran hindern, etwas ausgeglichener zu referieren.

Von einem Nachrichtenoffizier eines neutralen Landes wie der Schweiz erwarte ich die Bereitschaft, ständig seine Position zu hinterfragen, alternative Sichten anzusehen und zu prüfen. Wie in der Wissenschaft gilt eine Theorie so lange, bis man sie widerlegt hat. Wann unterziehen Sie Ihre Ausführungen diesem Test?

Hier kommt der Begriff “Risikomanagement” ins Spiel: Welches Risiko gehe ich ein, wenn meine Analyse falsch ist (siehe “Geopolitischer Fehler 2. Art” in ASMZ 09/14 – oder hier: http://unbequemefragen.ch/?p=1212). Sollten SIE mit Ihrer Beurteilung falsch liegen, würde sich die Schweiz auf dem Silbertablett präsentieren: Von der NATO umgeben, abgerüstet, minimalst geschützt, nicht mobilisierbar, ohne Durchhaltefähigkeit, politisch schwach, etc.

Sollte ICH falsch liegen, hätten wir nichts zu befürchten, da wir ja von einem “Speckgürtel von Freunden” umgeben sind. In Anbetracht des wirtschaftlichen und politischen Drucks (EU, Euro, Schengen, Finanzplatz, etc.) wage ich diese Beurteilung zu bezweifeln.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass Gaddafi jahrelang von den Franzosen und anderen Europäern umschwärmt wurde. Plötzlich wendete sich das Blatt und aus Freunden wurden Feinde. Das gleiche gilt für den Irak, der in den 80er-Jahren von den USA im Kampf gegen Iran unterstützt wurde und sich dann plötzlich als Feind wiederfand. Selbst Deutschland wurde für Russland im 2. Weltkrieg plötzlich zum Aggressor. Dieses Muster ist also bei unseren “Freunden” durchaus gang und gäbe.

Ihre Beurteilung der Lage beinhaltet damit ein viel höheres Restrisiko. Ist Ihnen das bewusst? Erweisen Sie so der Schweiz einen guten Dienst?

Punkt 3: Tiefgang/Hintergrund

Ich bin erschrocken, wie stark Ihre Ausführungen an der Oberfläche bleiben und deshalb einen falschen Eindruck erwecken. Die Vorgeschichte zum Euromaidan, die Geschichte der IS und der Kaida, die Gründe hinter den Angriffen auf Libyen, Afghanistan und Syrien, die Vorgeschichte zum Iran (Mossadegh), ja selbst die vielen Ungereimtheiten hinter “charlie hebdo” – alles bleibt unterbeleuchtet. Das WIESO wird kaum angesprochen. Selten vernimmt das Publikum etwas, was nicht in der Mainstreampresse bereits publiziert wurde.

Vom einst höchsten Nachrichtenoffizier würde ich mehr Hintergrund und geschichtliche Einbettung erwarten. Damit würden/müssten – meiner Meinung nach – einige Anschuldigungen in sich zusammenfallen und das geostrategische Bild würde sich fundamental ändern.

Vergleichen Sie bitte die aktuellen Ereignisse mit Aktionen der USA aus den Achzigern. Wenn ich diesen Bericht von ARTE schaue, kommt mir sehr viel bekannt vor (https://www.youtube.com/watch?v=0gqVIMADrRI) – Ihnen auch? Sie als Schweden-Kenner müssten diese Geschichte doch auch aus diesem Winkel kennen, oder?

Ich schätze Sie als hochintelligenten, kulturell und geografisch bewanderten Menschen ein – Ihnen müssten diese Dinge doch auffallen? Oder wollen Sie sie nicht sehen? Wieso? cui bono?

Punkt 4: Quellen

Der Informationskrieg tobt bis in unsere Stuben. Die Einschläge sind vielleicht nicht hör- und spürbar, doch sie hinterlassen deutliche Spuren in unserem Denken. Die Waffen sind auch bekannt: Es sind unsere Massen(verblödungs)medien – angefangen von den staatlichen Radio- und Fernsehsendern (nicht nur der Schweiz) über die “Leitmedien” NZZ, FAZ, SZ, NYT, CNN bis hin zu den Infotainment-Kanälen 20min, Blick, Bild, RTL, etc. Allerdings könn(t)en wir – wenn wir denn wollen – uns diesem Bombardement entziehen, indem wir diese Propaganda-Schleudern nicht mehr konsumieren. Ich tue dies seit Jahren.

Was macht z.B. die Staats- und Leitmedien zu “Qualitätsprodukten”? In Ihrer Funktion als USC ND konnten Sie ja 1:1 die Ihnen von Ihren Sensoren gelieferten Fakten mit den Meldungen in der Presse vergleichen. Lag diese Qualitätspresse da immer so nahe bei Ihren Erkenntnissen? Glauben Sie, dass sich dies in den vergangenen Jahren verbessert hat? Wenn die Medien wirklich so gut wie unser NDB sein sollten, könnte man diesen ja auflösen!?! Dann wäre die Aussage der ehemaligen Präsidentin der SP ja korrekt (“Man braucht nur CNN zu schauen…”).

Welches sind dann die von Ihnen empfohlenen Quellen, um sich möglichst nahe an der Wirklichkeit zu informieren?

Punkt 5: Aktuelles Beispiel

Gerade vorgestern wurde berichtet, dass die Geschichte um die Ermordung von Osama bin Laden eine Lüge sei (http://www.nzz.ch/international/amerika/fast-alles-frei-erfunden-1.18540530). Beachten Sie einmal die Publikationszeit auf NZZ.ch: 11.5.2015, 21:49 Uhr (!). Auf der Frontpage wird die Geschichte nicht “angeteasert”. Bei blick.ch wurde die Kommentarfunktion ausgeschaltet (nachdem diese den Tag durch noch offen war). Der Spiegel (ein sehr USA/NATO-affines Medium) schreibt am 11.05.2015 – 22:30 Uhr, dass die US-Regierung dementiert und schreibt über den Enthüller Hersh: “Sein Ruf in den USA hat nach Veröffentlichungen mit dünner Quellenlage aber zuletzt gelitten.” Offenbar soll die Geschichte möglichst bald aus der Öffentlichkeit verschwinden und keine Diskussion anzetteln. Heute Mittwoch ist sie bei mir vom Medien-Radar verschwunden… Zufall?

Vermutlich stimmen beide Varianten nicht. Eine Lüge wird durch eine zweite Lüge ersetzt.

Zwei Dinge wissen wir hingegen:

  1. Die US-Administration sagte – einmal mehr – nicht die Wahrheit (wie schon über die WMD im Irak oder dem Giftgas in Syrien oder beim oben erwähnten Beitrag auf ARTE).
  2. Uns fehlt auch heute noch ein Beweis, dass ObL im Mai 2011 getötet wurde.

Wie man vor dem Hintergrund all dieser Lügengeschichten den USA eine Absolution für ihr Tun erteilen kann, ist mir schleierhaft. Vertrauen Sie wirklich einem solchen Partner? Oder unterstützen Sie sein Tun?

Ich würde mir für Sie wünschen, dass Sie sich etwas intensiver mit der alternativen Sicht auf die Welt auseinandersetzen. Als aufgeklärter Bürger der der Wahrheit verpflichtet ist, haben Sie ja nichts zu befürchten…

Ich gebe zu, die E-Mail ist etwas lang und die Anzahl Fragen eher hoch. Ich habe nicht erwartet, dass Peter Regli auf alle meine Fragen eine Antwort schreibt oder schreiben will. Ich wollte ihn etwas aufrütteln. Vielleicht würde er ja (an)erkennen, dass da etwas nicht zusammenpasst.

Seine Antwort liess mich umso mehr erschaudern:

Guten Tag Herr Müller

Vielen Dank für Ihre umfassende Rückmeldung. Ich weiss Ihre persönliche Beurteilung sehr zu schätzen.
Ich möchte nur darauf hinweisen, dass ich schon lange nicht mehr “höchster Nachrichtenoffizier” bin. Ich bin daher nicht mehr an absolute “Neutralität” und auch an keine Loyalität mehr gebunden. Somit sind meine Beurteilungen sicher auch persönlich gefärbt und nicht so neutral wie Sie es sich wünschten.
Dennoch: herzlichen Dank für den Gedankenaustausch.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Regli

Gedankenaustausch” ist wohl etwas übertrieben. Und wie seinen Satz “Ich weiss Ihre persönliche Beurteilung sehr zu schätzen” interpretieren soll, weiss ich auch nicht so richtig. Sie passen aber zu Peter Regli.

Aus diesem “Gedankenaustausch” und seinen Vorträgen lassen sich verschiedene Beurteilungen ableiten:

a) Peter Regli weiss, dass er eigentlich falsch liegt, muss/darf dies jedoch nicht sagen. Er ist sich also seiner üblen Propaganda völlig bewusst; Die andere Sicht muss unter allen Umständen lächerlicht gemacht und verneint werden. Das Lügengebilde könnte sonst einbrechen und mit diesem auch sein Renomee.

Das eröffnet zwei Untervarianten:
aa) Peter Regli hat sich in eine Ecke manöveriert aus der er nicht mehr herauskommt. Weil er um seinen Ruf fürchtet, muss die Argumentationslinie gehalten werden. Diskussionen geht er aus dem Weg, weil er weiss, dass seine Argumente nicht stichhaltig wären.

ab) Peter Regli ist ein von der NATO “gekaufter” Agent, dem dank seiner früheren Funktion und seines Auftretens in der Schweiz viel Glaubwürdigkeit und somit Einfluss besitzt. Er wäre die beste Propagandawaffe der NATO in der Schweiz (neben den Medien). Damit würde er seine Werte und die Schweiz verraten.

b) Peter Regli ist sich nicht bewusst, dass er falsch liegen könnte und sieht sich auf der Seite der Wahrheit. Alternative Sichten auf die Realität verneint er, ja möchte er erst gar nicht prüfen. Er geht der westlichen Propaganda völlig auf den Leim, v.a. weil seine Quellen primär (ferngesteuerte) “Qualitätsmedien” sind.

In diesem letzten Fall wäre er naiv und ideologisch verblendet – eher schlecht vorstellbare Eigenschaften, denn dies passt so gar nicht zu seinem Bild und würde auch meiner Einschätzung widersprechen. V.a. die penetrante Weigerung, die andere Sicht auch nur mit offenem Geist zu prüfen, passt so gar nicht zu einem ehemaligen Nachrichtenoffizier.

Allerdings muss man dazu sagen, dass diese Weigerung durchaus auch bei “Wissenschaftlern” zu finden ist…

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Markus M. Müller
Markus M. Müller (genannt “MMM”): wohnhaft im Aargau, ab 1974 aufgewachsen im Fricktal, beeinflusst von der Inner- und Ostschweiz, studierte IT-, Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen (HSG) ist selbständiger Informationsmanager und Unternehmer. Er leistet Dienst als Generalstabsoffizier in der Schweizer Milizarmee. Er bezeichnet sich als “konservativen, libertären Bürger” und ist in verschiedenen sicherheitspolitischn Vereinen aktiv. Interessen: Geo- und Sicherheitspolitik, Währungsfragen, Gold/Silber, C4ISR, Medienpolitik.
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