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Das Beste von Ludwig Poullain: Das Ende des Euros, der Beginn des Nordeuros

Das Ende des Euro rückt näher. Er treibt die Völker wieder auseinander. Neid, Missgunst, Verachtung, selbst Hass sind wieder lebendig geworden. Ludwig Poullain über Erlebtes und Wahrgenommenes, Gedachtes und Empfundenes

 



Der 92 jährige ehemalige WestLB-Vorstandsvorsitzende (in den guten Zeiten der Bank) Dr. hc Ludwig Poullainist vielleicht der wortgewandteste Schreiber unter den Euro-Kritikern. Hier  Auszüge seiner Beiträge im Cicero.





Über Diktatur und die Merkelsche Demokratiediktatur

Zu meinem langen Leben gehört auch die zwölf Jahre währende Phase, in der mir von den Nazis eigenständiges Denken untersagt war. Nach deren Vertreibung habe ich die Befreiung von dieser Zensur als die beste aller damaligen Errungenschaften empfunden. Danach habe ich eine längere Zeit gebraucht, bis es mir dämmerte, dass auch gewählte Regierende einer demokratischen Republik dazu neigen, ihren Untertanen vorzugeben, was und in welche Richtung sie zu denken haben und was zu denken sie vermeiden sollen, um es dafür lieber ihnen, den Oberen, zu überlassen.
Nicht zuletzt hierauf führe ich es zurück, dass in unserem Land die Debattenkultur erstorben ist. Diskussionen, die per Definition ein Austausch von Intelligenz sein sollen, sind verpönt. Falls sich einer der Wortführer der Politik einmal eine eigene Meinung gebildet haben sollte, so wird sie kein noch so überzeugendes Argument jemals ändern können.

Ich bin ein Unstudierter. So sehr ich auch in meinem langen Leben akademisches Wissen schmerzlich vermißt habe, in diesen Zeiten bin ich glücklich, in meinem Denken nicht durch Ballast behindert zu sein. Eine solch chaotische Phase wie die jetzige durchlebte die Menschen Mitteleuropas wohl noch nie. Drum kann auch über die Beherrschung einer solchen Krise nichts im Lehrbuch stehen.

Für mich gilt als Gesetzmäßigkeit, dass verschiedenartige Volkswirtschaften nicht unter dem Dach einer gemeinsamen Währung leben können. Also wird der Euro einem ständig wachsenden Druck, der sich hieraus entwickelnden zentrifugalen Kräften ausgesetzt sein. Ihm wird er nicht standhalten. Sein Ende rückt näher.

 

Die These der Kanzlerin, das Scheitern das Euros würde das Ende Europas zur Folge haben, hat sich im Gedächtnis ihres Volkes festgesetzt. …. Wenn sie es für unumgänglich hält, die Meinungsbildung der Bürger in eine ihr genehme Richtung zu lenken, so geschieht dies nicht etwa durch eine klare Vorgabe und die Darlegung der Gründe. Vielmehr pflegt sie uns nur etwa kurz zu verkünden, die Energieerzeugung sei auf den Kopf zu stellen, oder auch, dem notleidenden Griechenland sei Hilfe zu gewähren, um dann, anstelle einer fälligen Begründung, den Nachsatz anzuhängen, dies sei alternativlos.

Mit diesem Hinweis errichtet sie offenkundig Verbotsschilder für Andersdenkende. Nachdem mir dieses Taktieren bewusst geworden ist, lehne ich mich dagegen auf und zwinge mich dazu, das mir von ihr Vorgesetzte nicht mehr als gegeben hinzunehmen und das von ihr zum Tabu Erklärte besonders sorgfältig durch meine Hirnwindungen zu drehen.

Das gilt aktuell natürlich besonders in Bezug auf die von ihr gewählte Methode, unsere Gemeinschaftswährung zu retten. Ich glaube beobachten zu können, dass sie sich bei der Pflege dieses Homunkulus namens Euro mittlerweile keine Mühe mehr gibt, uns Bürgern vorzugaukeln, sie bedächte hierbei irgendetwas. Mit ihrem Finanzminister macht sie das, was sie glaubt, aus dem Diktat der Märkte folgern zu müssen. Denn diese allein lenken ihr Tun. Wenn sie mit dem, was sie anrichten, wenigstens das Ende bedenken würden! Doch die schiere Automatik ihrer Handlungen lässt mich argwöhnen, dass sie davon ausgehen, diese vermeintlichen Rettungstaten bis zum jüngsten Tag fortsetzen zu können.

 

Merkel, das Luderstück

 

Die eigentliche Leuchtkraft ihres Bildes rührt aus dem Gemisch, das sich aus ihrer scheinbaren Souveränität, aus ihren nach außen hin nur leise vernehmbaren Tönen, aus der Selbstsicherheit, die sie in all ihren öffentlichen Auftritten ausstrahlt, sowie der Gelassenheit, mit der sie die giftigen Attacken ihrer Kontrahenten an sich abtropfen lässt, bildet. Dieses Erscheinungsbild wird zudem noch von der Einfachheit ihres Auftretens und der Bescheidenheit ihres Wesens, den trauten Szenen auf dem Bayreuther Hügel und der Heimeligkeit ihrer kleinen Hütte in der Uckermark in ein sanftes Licht getaucht. Dies Bildnis erscheint dem Volk bezaubernd schön.

Was hätte die Kanzlerin mit Griechenland tun sollen ?

Was die Kanzlerin in dieser Euroschuldenkrise hätte anders machen sollen? Ganz einfach: bereits beim ersten Hilfeschrei der Griechen bei dem „Nein“, das sie in der allerersten Reaktion von sich gegeben hatte, zu verharren und standhaft zu bleiben bis zum heutigen Tag. Um wie vieles besser erginge es heute den Hellenen, wenn sie den von den Geberländern zugeteilten Schuldenberg nicht mit sich herumschleppen müssten, stattdessen zur Drachme zurückgekehrt wären und sich dann ihrer Lieblingsbeschäftigung hätten hingeben können, ihre eigene Währung nach eigenem Belieben abzuwerten.

 

… um der Troika das von ihnen für ihre Zwecke passend gemachte Ergebnis als das Resultat ihrer vor Ort angestellten Recherchen aufzuerlegen. Dieses wird zwar nicht der Wirklichkeit entsprechen, jedoch die Spender legitimieren, den Griechen weiteres Geld zum Versenken zu überweisen.

Die Kopfnicker, die Messdiener und das tumbe Volk

Die aus all diesen Hilfsmaßnahmen rührenden furchteinflößenden Verpflichtungen unseres Staates in Höhe von zurzeit etwa 310 Milliarden Euro können darum also auch nur als ein Zwischenstand betrachtet werden. Ich bin mir sicher, dass die auf zustimmendes Kopfnicken getrimmten Mitglieder des Deutschen Bundestags diesem Schuldenbetrag ein stetes Wachstum garantieren.
Zählen die uns  Regierenden nicht zu diesem Kreis, oder handeln sie vorsätzlich gegen ihr besseres Wissen? Oder wollen sie sich damit Zeit kaufen, etwa bis zur nächsten Bundestagswahl, auf dass das tumbe Volk nicht vorher durch die Offenbarung effektiver Verluste aus seiner Starre aufgeschreckt wird?

Die beiden wortführenden Oppositionsparteien, die Roten und die Grünen, haben sich beim Schuldenmachen zur Rettung der Selbstverschuldeten als kniebeugende Messdiener der Kanzlerin rechtschaffen abgemüht. Nun versuchen sie gar, die Priesterin im überholenden Gehorsam zu überbieten. Frau Merkel tut das ihre, um die CDU im Halblinks zu positionieren. Ich sehe zwischen ihrer Partei und der SPD allenfalls noch partielle Unterschiedlichkeiten. Sie sollten fusionieren. Dann gäbe es auch endlich wieder eine Partei, die sich zu Recht Volkspartei nennen darf.

Unsere Gesellschaft ist bequem, sie lässt sich in ihren Lebensgewohnheiten.. Nebenher schleppt sie eine panikartige Angst vor dem Ungewissen mit sich, jedoch ist sie zu feige, ihr zu begegnen. Dies kommt in dem von Allensbach erfragten Umfrageergebnis zum Ausdruck, dass 69 Prozent unserer Bevölkerung nichts von der Staatenschuldenkrise verstehen. Etwa gleich hoch ist der Beliebtheitsgrad der Kanzlerin im Volke. Für mich besteht zwischen beiden Werten ein kausaler Zusammenhang.

 

Erst die Banker beschimpfen und nachher selbst Bank spielen

 

Der Knall, mit dem im Jahre 2008 die wundersame Geldvermehrung zerbarst, schreckte die Politik, die noch wenige Jahre zuvor die deutschen Märkte für den Vertrieb fragwürdiger Finanzprodukte geöffnet hatte, aus ihrem Trott. Der Schock der Finanzkrise traf sie so tief, dass selbst diese Bundeskanzlerin ein persönliches Wagnis einging….

Sehr bald nach dem Finanzeklat verkündete die Bundeskanzlerin, diesmal im Gleichklang mit ihren Kollegen der mächtigen westlichen Staaten befindlich, ungefährdet, die Botschaft, man würde gemeinschaftlich alle jene Banker zur Rechenschaft ziehen und bestrafen, die das Desaster angerichtet hatten…..

Hiernach geschah Merkwürdiges. Obschon die Politiker jeglichen Geblüts und Rangstufen die Verursacher des Schlamassels mit allen ihnen geläufigen Verbalinjurien belegten, bewahrten sie deren Institute mit milliardenschweren Zuwendungen vor dem Ruin, und ermöglichten damit gleichzeitig den zu Recht Beschimpften, den Bankern, in ihrem frivolen Tun ungestört fortzufahren.

Dieser Akt gebar eine weitere Merkwürdigkeit: Die Bundesrepublik Deutschland wurde zur Bank, und somit Kanzlerin und Finanzminister zu Bankern. Und weil sie die Wirkung ihres Milliardenspiels bereits in der Finanzkrise durch die Rettung verzockter Banken erfolgreich erprobt zu haben glaubten, wandten sie dieses Modell ungeniert auch auf die in hohen Verschuldungen verstrickten Staaten an.

Über die Wettbewerbsfähigkeit von Spanien, Italien und Frankreich im Vergleich mit Deutschland

Der nach meinen Beobachtungen bereits vor einigen Jahrzehnten begonnene Prozess der Deindustrialisierung ist während der Vor-Euro-Epoche durch laufende Abwertungen der Francs, Lira und Peseten absorbiert worden und hat sich deshalb auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie dieser Länder nicht ausgewirkt. Ich war erschreckt, als ich mir deutlich gemacht habe, wie weit sich der Wert des französischen Franc in der Zeit von 1950 bis zur Einführung des Euro von dem der Deutschen Mark entfernt hat: Durch Abwertungen ist er in jedem Jahrzehnt um durchschnittlich 30 Prozent gesunken.

Der Kern aller Gründe für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder liegt in der mangelnden Flexibilität. Frankreich, ebenso Italien wie auch Spanien, hätten, wenn es ihnen denn möglich gewesen wäre, auch in jüngerer Zeit mehrfach abgewertet. Doch das System lässt solches nun einmal nicht zu. Der Euro liegt wie ein Leichentuch über diesen Ländern.

Der folgende Absatz ist speziell für Boris Zürcher, Chef des BAK Basel, der in einer Podiumsdiskussion sagte, dass die Schweiz die Aufwertung von EUR/CHF 1.65 im Jahr 2007 zu 1.20 im Jahr 2012 wohl verkraften kann, Deutschland würde aber eine solche Aufwertung nicht verdauen können.

Die Grundlage der Leistungsfähigkeit unserer Industrie ist während der Zeit der Deutschen Mark gelegt worden. Wie sich heutige Lobbyisten gegen jedwede Änderungen wehren, so stemmten sich während der Herrschaft der festen Wechselkurse des Bretton-Woods-Systems die vorgeschobenen Interessenwahrer der deutschen Industrie gegen jedwede Aufwertung der Deutschen Mark gegenüber dem Dollar. Auch damals schon waren es die bösen Spekulanten, die, wenn die Ungleichgewichte der beiden Währungen auf den Märkten Wirkung zeigten, durch Anhäufungen der Dollars auf den Konten der Deutschen Bundesbank die Politik auf Trab brachten. Wenn man denn den beschwörenden Worten der Bewahrer hätte Glauben schenken können, drohte mit jeder Aufwertung der Mark der Weltuntergang, hätte sie doch Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zerstört und damit die Exporte zum Erliegen gebracht.

Doch, oh Wunder, stets trat das genaue Gegenteil ein, verzeichnete doch das Statistische Bundesamt nach jeder Aufwertung weitere kräftige Zunahmen der Exportaufträge. Die Gründe für diese Erscheinung liegen auf der Hand: Eine jede Aufwertung zwang die deutsche Industrie, ihre Produkte zu verbessern und die Produktivität zu erhöhen. In dicken Lettern schreibe ich es nieder: Mit jeder Aufwertung der Deutschen Mark ist die deutsche Industrie leistungsfähiger geworden. Die Grundlage ihres heutigen hohen Standards ist in jener Zeit gelegt worden. Als Ergebnis dieser Prozesse halte ich fest, dass nicht der Preis eines Produkts allein das entscheidende Kriterium für eine Auftragserteilung ist; vielmehr sind seine Qualität und die Zuverlässigkeit von Lieferung und Leistung von ausschlaggebender Bedeutung.

Schwankenden Wechselkursen und damit der Gefahr fallender Erlöse aufgrund sich verteuernder Euros unterliegt unsere Exportindustrie auch heute auf den Märkten außerhalb des Euroraums. Allerdings erleichtert der infolge der Eurokrise niedrige Kurs des Euro gegenüber dem Dollar zurzeit die Geschäfte. Ich gehe davon aus, dass dieser Umstand ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Herren der großen deutschen Industriekonzerne so leidenschaftlich für den Erhalt des Euro votieren. …

Um Deutschland ist mir dabei nicht bange. Eine neue Währung, wie immer sie auch aussehen oder heißen mag, wird zwar die während der Euroherrschaft unterbliebene Aufwertung gegenüber den anderen, im Euroverbund verbleibenden Ländern nachholen müssen. In dieser Phase wird die deutsche Industrie hart zu kämpfen haben, doch sie wird sich durchbeißen und diese Belastung, wie weiland zu Bretton-Woods-Zeiten, auch als Chance nutzen, ihre Produkte zu modernisieren, ihre Qualität zu verbessern und dabei gleichzeitig ihre Produktivität zu erhöhen. Ein solcher Gang würde auch nicht nationaler Überheblichkeit entsprießen, sondern wäre zunächst ohnehin nur ein Notausstieg.

Was also folgere ich aus dem bislang in diesem Beitrag Aufgereihten? Die Strukturprobleme werden Spanien, Italien und Frankreich, eines nach dem anderen, an die Wand drücken. Sie werden, wahrscheinlich in dieser Reihenfolge, Hilfe erbitten müssen. Frau Merkel mit ihren blinden Terrakottasoldaten im Gefolge nicht nur aus ihrer Partei wird sie so lange gewähren lassen, bis Deutschland selbst am Ende sein wird. Und welche andere Rettungsstation bliebe uns dann wohl noch außer China?

Egal ob Inflation oder nicht: Die Deutschen sparen sowieso

Auch wenn Barry Eichengreen den Deutschen mit vorgehaltener Inflations-Pistole das Sparen abgewöhnen will, sie werden es trotzdem tun.

 

Zu dem Satz von der Verhältnismäßigkeit des Kreditzinses zum Sparzins fand ich bei Kant Entsprechendes. Er erzählte ein Beispiel von einem Krämer: Ein Kaufmann berechnet die Preise für seine Ware und entschließt sich, ehrlich zu sein. Er will seine Kunden, ob sie nun unerfahren sind – dies gilt, das füge ich ein, in der Regel auch für Sparer – oder ob es sich gleich um Kinder handelt, nicht übers Ohr hauen. Eine solche Handlung geschieht noch lange nicht aus Pflicht, so behauptet Kant, sondern sie ist “pflichtmäßig”, äußerlich nicht von derselben Handlung aus ehrlichen Grundsätzen heraus zu unterscheiden. Warum? Kant fährt fort: Weil es sein kann, daß der Kaufmann aus Vorteilsdenken ehrlich ist, damit ihm die Kunden nicht davonlaufen. In diesem Fall geschieht seine Handlung in Wahrheit aus eigennütziger Absicht.

Die Banken braucht die Sorge des Krämers, daß ihm die Kunden, wenn er sie denn übers Ohr hauen sollte, davonlaufen, nicht zu plagen. Selbst wenn ein nicht “zinsunempfindlicher” Sparer alle Banken am Platz abklappern und die in den Kassenräumen aushängenden Konditionen miteinander vergleichen würde, er wird kaum etwas Besseres als das finden, was ihm seine Hausbank seit eh und je bietet.

Marktgerechte Zinsen seien dies, erklärt der Kundenberater jeder Bank seinem durchaus zinsempfindlichen Sparer. Oder doch nicht eher ein stillschweigendes Kartell? Ich kann nur festhalten, daß es seit langer Zeit auf diesem Sektor kaum noch Wettbewerb gibt. Leider haben die Sparkassen dazu ihren Beitrag geleistet, da sie freiwillig ihre Preisführerschaft aufgegeben haben. Dies scheint nun die Postbank zu übernehmen. Ob sie dafür einen öffentlichen Auftrag beansprucht?

Wir Deutschen werden sparen, fürderhin und immerdar. Die Sparer haben sich schon seit langem damit abgefunden, daß ihnen ihre Einlagen, ziehen sie die Inflationsrate ab, kaum noch eine reale Verzinsung bringen. Dennoch, sie lassen die Einlagen stehen. Sie sind ihre Sparstrümpfe für Unvorhergesehenes. So wurden selbst Spareinlagen mit täglicher Fälligkeit zu Dauerleihgaben der Sparer an die Banken. Mit ihnen läßt sich lässig wuchern. Sogar weltweit.

(Auszug aus Ludwig Poullain in FAZ: “Die ungehaltene Rede”, 16.7.2004, Online auf MeinePolitik.de)

Die Gefahren des Euro: Inflation, Neid und Hass kommen zurück nach Europa

 

Viele Deutsche, deren Geld in der Schweiz liegt oder in Franken investiert sind, sind gesetzteren Alters. Alle haben die Inflationszeiten noch in Erinnerung, eine der Hauptgründe in Schweizer Franken zu investieren.

Kürzer und präziser als Ökonomen dies vermögen, können Philosophen die Verfassung unseres Kontinents beschreiben. Noch einmal  Peter Sloterdijk: „Die Flutung der Geldmärkte ist erfolgt. Die Entwässerung scheitert wie gewohnt.“

 

 Dagegen ist [Merkel] die schludrige Ausgestaltung des Vertragswerkes für die neue Notenbank, der EZB, nicht zuzurechnen. Das ist das Werk der Herren Kohl und Waigel. Dass im Rat der Notenbank nach Kopfzahl abstimmt wird, bezeichne ich als Anleitung zum Diebstahl unter Brüdern. Die beiden Staatsmänner hätten doch an ihren zwanzig Fingern abzählen können, dass aus den Ländern, die in den letzten vierzig Jahren eine ungehemmte inflationäre Politik betrieben hatten, nach der Vertragsunterzeichnung in Maastricht keine Stabilitätspfeiler werden konnten. Nun wiegt die Stimme der Deutschen Bundesbank nicht einmal die vereinten Stimmen Maltas, Zyperns und anderer Zwergstaaten auf. Armer, allein gelassener Bundesbankpräsident.

 

 

Die Entstehung der griechischen Mythologie ist in Jahreszahlen nicht einzuordnen. Darum ist nicht nachzurechnen, wann Zeus in der Gestalt des Stiers die Jungfrau nach Kreta verschleppte und damit Europa schuf. Seitdem, und diese Zeitspanne umfasst einige tausend Jahre, haben seine Völker ihre Energien daran vertan, sich jedes Stückchen Boden streitig zu machen, sich gegenseitig zu berauben, sich zu bekriegen und Erbfeindschaften zu begründen. Erst das Desaster bis dahin nicht vorstellbaren Ausmaßes vermochte den Völkern den Wahnsinn ihres Tuns zum Bewusstsein zu bringen.

Seit 1945  herrscht Frieden im Zentrum des Kontinents. Die Völker begannen Gefallen daran zu finden, friedlich nebeneinander zu leben, sich aneinander zu gewöhnen und sogar freundschaftliche Gefühle füreinander zu entwickeln. Bis zwei, drei Zauberlehrlinge ihren Geist aus der Flasche ließen und den Euro erfanden. Der treibt nun die Völker wieder auseinander. Längst begraben geglaubte Elemente wie Neid, Missgunst, Verachtung, selbst Hass sind wieder lebendig geworden. Wie wäre es, man würde überhastet geschaffene Gebilde beseitigen, die Völker wieder, ein jedes für sich, gewähren lassen und einfach darauf warten, bis aus ihnen selbst der Wunsch auf Vereinung erwächst? Das mag hundert Jahre währen. Warum auch nicht? Im Verhältnis zu der mehrtausendjährigen kriegerischen Vergangenheit wäre dies für Europa nur ein Wimpernschlag.

Schaffung des Nordeuro, Schweiz als Teilnehmer des Nordeuro

Aus dieser Erkenntnis schöpfend entwickle ich den verwegen klingenden Vorschlag, dass das nach Größe und Struktur am besten ausgestattete Land, und das ist in Europa nun einmal Deutschland, nicht länger auf Godot, also darauf warten sollte, bis sich Griechenland und dann, peu à peu, auch weitere Staaten aus dem Euro verabschieden müssen. Stattdessen sollten wir uns selbst aus dem Gewürge lösen, eine neue Währung kreieren und hierzu die Staaten und Völker gleicher Struktur und Gesinnung einladen. Zu diesen zähle ich die skandinavischen Länder, die Niederlande, Österreich selbstredend, aber auch die Schweiz würde unter diesen Umständen daran Gefallen finden, sich solch einem Gebilde anzuschließen, denken und handeln doch die alten Eidgenossen ebenso stabilitätsorientiert und industriepolitisch wie wir und bewegen sich dabei auf höchstem Niveau.

Das Video mit Professor Schachtschneider

Das Video mit Professor Schachtschneider, ein anderer der grossen Bailout-Gegner, wiederholt die gleichen Argumente.

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